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08.03.2019 - 04:00 -- Sowe

Drei alte Tanten, eine Chaise und was Afghanistan damit zu tun hat

eine Fasnachtsgeschichte von Sonja Weber


2012 03 01 Basler Fasnacht 3

Alles lief krumm in den letzten Tagen auf dem Hof von Heiri in Buckten. Der Stier war andersweitig beschäftigt und deshalb sollte der Viehdoc mit seiner grossen Spritze kommen. Und ewig hatten ja die beiden Kühe auch nicht Gluscht auf ein neues Kalb. Die fuchsfarbene Stute sollte ihr Fohlen bekommen auch das dauerte etwas laenger. Und dazu noch das Unglück mit seiner Kutsche.


Denn jedes Jahr an der Basler Fasnacht hat er einen Auftrag. Mit seiner Kutsche, in Basel nennt man das Chaise, fährt er drei alte Tanten durch die Stadt. Die Costume der drei Damen nennt man so. Aber auch die drei Damen waren nicht mehr die Juengsten. So kam alles zusammen, drei ältere Fräuleins als alte Tanten. Nur jetzt, Heiri machte eine erste Probefahrt mit Kutsche und seinen zwei Braunen. Eigentlich brave etwas stämmige Rösser. Nur dieses Mal nicht. Bei der kleinen Lichtung am Waldrand kam etwas aus dem Gebüsch geschossen. Ein Hund oder ein Fuchs. Heiri hat es nicht genau gesehen nur der eine Braune erschreckt sich und schon kippt die Kutsche. Das Resultat drei kaputte Speichen und eine Deichsel mit Absplitterungen. Heiri flucht erstmal kräftig und fühlt wie die blauen Flecken wachsen. Seine Rosa wird ihm heute Abend den Rücken einreiben mit dieser türkisfarbenen Rosssalbe. Seinem Braunen gehts gut und das war im Moment das Wichtigste.


Aber die Kutsche! Und in zwei Wochen ist Fasnacht! Nicht dass er sich jetzt sehr viel aus der Sache gemacht hätte. Aber Auftrag ist Auftrag und das Geld kann er gut gebrauchen. Am Abend klagt er sein Leid bei einem Bier im Dorfkrug. Sepp das ist der mit der Schreinerei im Dorf und den afganischen Flüchtlingen, meinte hilfsbereit ich schicke Dir l und F vorbei. Die sind so geschickt die können dir helfen. Jetzt muss man wissen eigentlich heissen I und F Ismael und Fouad. Aber das ganze Dorf nennt sie eben nur l und F. Und die zwei sind sehr beliebt im Dorf. Immer hilfsbereit und fröhlich. Manchmal kochen die beiden Gerichte aus ihrer Heimat, dann duftet das ganze Dorf nach fremden Gewürzen und Ferne. Die Hausfrauen fragen nach den Rezepten und die jungen Mädchen schwärmen von braunen Samtaugen und schwarzen Locken.


Und so kommen die zwei am nächsten Morgen auf den Hof. Zuerst werden sie von Rosa mit Kaffee und frischem Brot und Käse bewirtet. Dann machen sie sich an die Reparatur. So einfach war das Ganze nicht, aber geschickt wie die zwei sind geht die Arbeit gut voran.


Am Abend. Heiri kam von Waldarbeiten nach Hause, steht die Kutsche frisch repariert und geputzt vor der Scheune. l und F strahlen. Sie haben auch schon in ihrem Heimatland Kutschen in Stand gestellt und wussten Bescheid was zu tun war. In ihrem Heimatland brauchte man Kutschen für die Fahrt auf den Markt. Und bei Besuchen der Familie in anderen Dörfern. Also eigentlich immer.


Heiri lud sie zum Abendessen ein. Und ein Zustupf zu dem spärlichen Taschengeld bekamen sie auch noch.


Und am Fasnachtsmontag in Basel sieht man eine Chaise mit drei älteren Jümpferlein und einem strahlenden Kutscher auf dem Bock. Auf der ganzen innere Route des Cortège. so nennen die Basler den Umzug, bezaubert das Gefährt die Leute. Ueberall klatschten die Leute und freuten sich. Nicht nur weil die.alten Tanten. Mimosensträusschen verteilten.


Die Bezahlung viel fürstlich aus. Und eine grosse Packung Leckerli wanderte nein nicht direkt nach Afganistan aber zu zwei jungen Leuten die ihr Land verlassen mussten und jetzt im Baselland eine neue Heimat gefunden haben.


Alte Tanten schwelgen in Erinnerungen
Ein Kutscher und seine Braunen sind zufrieden
Und zwei junge Menschen aus einem fernen Land
kauen lächelnd Basler Leckerli.


Fasnacht 2019 sw.
 
Fasnacht 67
Fotos: Ursi Joos

Und wer jetzt Lust bekommen hat am Dienstag 12. März am 12i in Basel mit uns durch die Basler Fasnacht 2019 zu bummeln, meldet sich ganz hurtig noch HIER an!